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Do |13|11|2014| CINEMA

Bellas mariposas

Salvatore Mereu, IT 2013, 100', I/d, nt

TOURNEEFESTIVAL CINEMA ITALIANO

Caterina ist zwölf und lebt mit Eltern und zahlreichen Geschwistern in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Die Wohnung ist klein, die Patchworkfamilie chaotisch und der arbeitslose Vater ein Tyrann. Das alles stört Caterina nicht übermässig. Sie beobachtet ihre Umgebung genau, zieht ihre Schlüsse und wendet sich gerne direkt ans Kinopublikum. Und sie will Rockstar werden. An einem heissen Augusttag fahren Caterina und ihre beste Freundin, die gleichaltrige Luna, mit dem Bus ans Meer, gehen baden, essen viel Eis und fühlen sich wie schöne Schmetterlinge. Nach Einbruch der Dämmerung müssen die beiden Mädchen Gigi, den unbeholfenen und in Caterina verliebten Jungen von nebenan, vor Caterinas grossem Bruder Toni beschützen. Eine Theatertruppe, die geheimnisvolle Wahrsagerin Aleni und ein mit Banknoten vollgepackter Koffer lassen die Ereignisse eine unerwartete Richtung einschlagen.

"Bellas mariposas" ist eine echte Entdeckung, ein Film, der mühelos jugendliche Unbekümmertheit, drastischen Sozialrealismus und fantastische Elemente à la Fellini zu verbinden weiss. Ein Lichtblick ist Caterina, die Hauptfigur mit eigenwilligem Charme, die sich von überhaupt gar nichts unterkriegen lässt, grossartig verkörpert von der jungen Sara Podda. Das Herzstück von Sergio Atzenis Erzählung und des Films ist das Verschmelzen des Realen und des Imaginären, die unzertrennlich bleiben. Atzenis Erzählung kommt ohne Dialoge aus, ohne Interpunktion; vielmehr besteht sie aus einem langen Monolog. Es war eine grosse Herausforderung, daraus einen Film zu machen. Er spielt in Sant'Elia, einem von sozialen Spannungen geprägten Viertel von Cagliari, wo ich auch die beiden Protagonistinnen gefunden habe. Der Film brauchte eine starke Besetzung und einen grossen Zusammenhalt zwischen Cast und Crew. Ich drehte alles in chronologischer Reihenfolge, damit zwischen den beiden Mädchen langsam Freundschaft und Vertrauen wachsen konnten. Zudem war ich alles andere als sicher, ob es funktionieren würde, Caterina direkt in die Kamera sprechen zu lassen. Erst der fertige Film gab mir die Sicherheit. Es war ein Wagnis und wir haben mit einer kleinen Equipe gedreht, fast wie beim Dokumentarfilm. Salvatore Mereu

"Bellas Mariposas" basiert auf einer wundervollen Erzählung in Monologform von Sergio Atzeni, dem vor kurzem mit nur 43 Jahren verstorbenen sardischen Schriftsteller. Die Geschichte findet an einem glühend heissen Augusttag in der Peripherie von Cagliari statt. Die Handlung könnte eine Episode aus "Gomorra" sein, aber Salvatore Mereus Ansatz ist ein ganz anderer: Caterina selbst erzählt uns ihren Tag. Sie schaut direkt in die Kamera und wendet sich an uns Zuschauer und Zuschauerinnen, so dass eine Verfremdung entsteht, die mehr an die Nouvelle Vague als an den Neorealismus erinnert.

13.11.2014, 20:15

Caterina ist zwölf und lebt mit Eltern und zahlreichen Geschwistern in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Die Wohnung ist klein, die Patchworkfamilie chaotisch und der arbeitslose Vater ein Tyrann. Das alles stört Caterina nicht übermässig. Sie beobachtet ihre Umgebung genau, zieht ihre Schlüsse und wendet sich gerne direkt ans Kinopublikum. Und sie will Rockstar werden. An einem heissen Augusttag fahren Caterina und ihre beste Freundin, die gleichaltrige Luna, mit dem Bus ans Meer, gehen baden, essen viel Eis und fühlen sich wie schöne Schmetterlinge. Nach Einbruch der Dämmerung müssen die beiden Mädchen Gigi, den unbeholfenen und in Caterina verliebten Jungen von nebenan, vor Caterinas grossem Bruder Toni beschützen. Eine Theatertruppe, die geheimnisvolle Wahrsagerin Aleni und ein mit Banknoten vollgepackter Koffer lassen die Ereignisse eine unerwartete Richtung einschlagen.

"Bellas mariposas" ist eine echte Entdeckung, ein Film, der mühelos jugendliche Unbekümmertheit, drastischen Sozialrealismus und fantastische Elemente à la Fellini zu verbinden weiss. Ein Lichtblick ist Caterina, die Hauptfigur mit eigenwilligem Charme, die sich von überhaupt gar nichts unterkriegen lässt, grossartig verkörpert von der jungen Sara Podda. Das Herzstück von Sergio Atzenis Erzählung und des Films ist das Verschmelzen des Realen und des Imaginären, die unzertrennlich bleiben. Atzenis Erzählung kommt ohne Dialoge aus, ohne Interpunktion; vielmehr besteht sie aus einem langen Monolog. Es war eine grosse Herausforderung, daraus einen Film zu machen. Er spielt in Sant'Elia, einem von sozialen Spannungen geprägten Viertel von Cagliari, wo ich auch die beiden Protagonistinnen gefunden habe. Der Film brauchte eine starke Besetzung und einen grossen Zusammenhalt zwischen Cast und Crew. Ich drehte alles in chronologischer Reihenfolge, damit zwischen den beiden Mädchen langsam Freundschaft und Vertrauen wachsen konnten. Zudem war ich alles andere als sicher, ob es funktionieren würde, Caterina direkt in die Kamera sprechen zu lassen. Erst der fertige Film gab mir die Sicherheit. Es war ein Wagnis und wir haben mit einer kleinen Equipe gedreht, fast wie beim Dokumentarfilm. Salvatore Mereu

"Bellas Mariposas" basiert auf einer wundervollen Erzählung in Monologform von Sergio Atzeni, dem vor kurzem mit nur 43 Jahren verstorbenen sardischen Schriftsteller. Die Geschichte findet an einem glühend heissen Augusttag in der Peripherie von Cagliari statt. Die Handlung könnte eine Episode aus "Gomorra" sein, aber Salvatore Mereus Ansatz ist ein ganz anderer: Caterina selbst erzählt uns ihren Tag. Sie schaut direkt in die Kamera und wendet sich an uns Zuschauer und Zuschauerinnen, so dass eine Verfremdung entsteht, die mehr an die Nouvelle Vague als an den Neorealismus erinnert.