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Mi |25|11|2020| CINEMA

La scomparsa di mia madre

Beniamino Barrese, Italien 2019, 90', I/d, ab 12

CINEMA ITALIANO 2020

In den 1960er-Jahren war sie ein gefragtes Model und eine Stilikone. Sie posierte für die Vogue; Künstler und Fotografen wie Andy Warhol, Salvador Dalí, Irving Penn und Richard Avedon erkoren sie zu ihrer Muse. Anfang der 70er-Jahre zog sich Benedetta Barzini vom Modeln zurück, wandte sich dem Marxismus zu und wurde zur eloquenten feministischen Kritikerin der Modebranche. Mit 75 Jahren ist Benedetta der Klischees müde. Sie will mit ihrem früheren Leben abschliessen und von der Bildfläche verschwinden. Dass ihr Sohn Beniamino nun einen Film über sie drehen will, löst zwischen den beiden eine unerwartete Zusammenarbeit und zugleich Konfrontationen vor der Kamera aus. Getrieben von seiner Faszination für seine starke, unabhängige und sture Mutter folgt Beniamino ihr überallhin, ob sie arbeitet, schläft, kocht oder isst. Doch Benedetta widersetzt sich dem Blick der Linse so gut wie möglich. Es entbrennt ein Kampf zwischen dem Wunsch des Sohnes, gewisse Erinnerungen für immer festzuhalten, und der Sehnsucht der Mutter, das eigene Lebensende ruhig und selbstbestimmt zu gestalten. «Obwohl wir seit jeher eine sehr enge Beziehung haben, war sie mir immer ein Rätsel», sagt Beniamino Barrese. «Es schien mir immer unmöglich, sie in einem Bild festzuhalten. Sie war von allem zu viel: zu schön, zu intelligent, zu charismatisch, zu aggressiv, zu stark, zu tief, zu besonders.» Entstanden ist ein intimer und herzzerreissender Dialog, in dem sich Mutter und Sohn gemeinsam auf die Trennung vorbereiten, die so schwer zu akzeptieren und vielleicht unmöglich zu filmen ist. Manohla Dargis schreibt in der New York Times: «Zutiefst persönlich und von faszinierenden Widersprüchen durchzogen, ist ‹La scomparsa di mia madre› das Porträt einer Frau in Rebellion. Barzini ist eine strenge, schonungslose Kritikerin der Kommerzialisierung und Ausbeutung des weiblichen Körpers durch Männer, was den eindringlichen und manchmal aufdringlichen Blick ihres Sohnes auf sie stark verkompliziert. Zugleich verleiht das dem Film eine ungeheure Tiefe, indem es das Persönliche vehement politisch macht.»

06.11.2020, 20:15 25.11.2020, 20:15

In den 1960er-Jahren war sie ein gefragtes Model und eine Stilikone. Sie posierte für die Vogue; Künstler und Fotografen wie Andy Warhol, Salvador Dalí, Irving Penn und Richard Avedon erkoren sie zu ihrer Muse. Anfang der 70er-Jahre zog sich Benedetta Barzini vom Modeln zurück, wandte sich dem Marxismus zu und wurde zur eloquenten feministischen Kritikerin der Modebranche. Mit 75 Jahren ist Benedetta der Klischees müde. Sie will mit ihrem früheren Leben abschliessen und von der Bildfläche verschwinden. Dass ihr Sohn Beniamino nun einen Film über sie drehen will, löst zwischen den beiden eine unerwartete Zusammenarbeit und zugleich Konfrontationen vor der Kamera aus. Getrieben von seiner Faszination für seine starke, unabhängige und sture Mutter folgt Beniamino ihr überallhin, ob sie arbeitet, schläft, kocht oder isst. Doch Benedetta widersetzt sich dem Blick der Linse so gut wie möglich. Es entbrennt ein Kampf zwischen dem Wunsch des Sohnes, gewisse Erinnerungen für immer festzuhalten, und der Sehnsucht der Mutter, das eigene Lebensende ruhig und selbstbestimmt zu gestalten. «Obwohl wir seit jeher eine sehr enge Beziehung haben, war sie mir immer ein Rätsel», sagt Beniamino Barrese. «Es schien mir immer unmöglich, sie in einem Bild festzuhalten. Sie war von allem zu viel: zu schön, zu intelligent, zu charismatisch, zu aggressiv, zu stark, zu tief, zu besonders.» Entstanden ist ein intimer und herzzerreissender Dialog, in dem sich Mutter und Sohn gemeinsam auf die Trennung vorbereiten, die so schwer zu akzeptieren und vielleicht unmöglich zu filmen ist. Manohla Dargis schreibt in der New York Times: «Zutiefst persönlich und von faszinierenden Widersprüchen durchzogen, ist ‹La scomparsa di mia madre› das Porträt einer Frau in Rebellion. Barzini ist eine strenge, schonungslose Kritikerin der Kommerzialisierung und Ausbeutung des weiblichen Körpers durch Männer, was den eindringlichen und manchmal aufdringlichen Blick ihres Sohnes auf sie stark verkompliziert. Zugleich verleiht das dem Film eine ungeheure Tiefe, indem es das Persönliche vehement politisch macht.»