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Do |20|11|2014| CINEMA

L'intervallo

Leonardo Di Costanzo, IT 2012, 83', I/d, nt

TOURNEEFESTIVAL CINEMA ITALIANO

Eine Vorstadt von Neapel: Salvatore ist fünfzehn und verkauft auf der Strasse Eis und Getränke. Ein Camorra-Gangster des Viertels bittet ihn um einen Gefallen: er soll auf die siebzehnjährige Veronica aufpassen, die von der Camorra in einem verlassenen Gebäude festgehalten wird. Salvatore begreift sofort, dass man einer solchen Bitte besser Folge leistet. Und so spielt er einen Tag lang Gefängniswärter für Veronica, ohne zu wissen, was sie in den Augen der Camorra falsch gemacht haben soll. Trotz gegenseitigen Misstrauens kommen sich die beiden Jugendlichen im Lauf des Tages näher. Sie durchforsten das riesige baufällige Gebäude, erfinden Spiele und verwandeln das Gelände in ein Abenteuerland. Doch beide wissen: die Männer der Camorra werden zurückkommen.

Der Spielfilmerstling von Leonardo di Costanzo erhielt beim Filmfestival von Venedig 2012 den Preis der internationalen Filmkritik. Es ist die tief bewegende und in stimmigen Bildern erzählte Geschichte zweier jugendlicher Aussenseiter, die sich für einen Tag aus einer Realität fortträumen, die vollständig vom Zugriff der Camorra beherrscht zu sein scheint. Kein Mafiafilm, sondern ein Film, der die Kraft der Fantasie feiert.

"L'intervallo" ist mein erster Spielfilm, vorher hatte ich Dokumentarfilme gedreht. Wie bei der Arbeit an einem Dokumentarfilm habe ich zuerst beobachtet und zugehört. Ich habe die Treffpunkte der Jugendlichen besucht, habe mich an ihren Orten aufgehalten. Das Drehbuch war eine Art Handlungsskizze, präzise zwar, aber offen genug, damit Raum für Interpretationen von Handlung und Figuren bleibt. Ausserdem stand von Anfang an fest, dass die beiden HauptdarstellerInnen keine Profis sein würden. Ich habe die Kamera möglichst diskret eingesetzt, um den SchauspielerInnen den grösstmöglichen Freiraum zu schenken. Alles mit dem Ziel, eine Geschichte über Jugendliche zu erzählen. Eine Geschichte, in der die Erwachsenen ausserhalb der Haupthandlung stehen, wahrgenommen als eine Bedrohung oder als eine Macht, die Regeln aufstellt, an die man sich halten muss. In diesem Fall sind es die Leute der Camorra, die gleichzeitig bedroht und schmeichelt, und mit der sich jeder in Neapel irgendwie auseinandersetzen muss.

Leonardo Di Costanzo

20.11.2014, 20:15

Eine Vorstadt von Neapel: Salvatore ist fünfzehn und verkauft auf der Strasse Eis und Getränke. Ein Camorra-Gangster des Viertels bittet ihn um einen Gefallen: er soll auf die siebzehnjährige Veronica aufpassen, die von der Camorra in einem verlassenen Gebäude festgehalten wird. Salvatore begreift sofort, dass man einer solchen Bitte besser Folge leistet. Und so spielt er einen Tag lang Gefängniswärter für Veronica, ohne zu wissen, was sie in den Augen der Camorra falsch gemacht haben soll. Trotz gegenseitigen Misstrauens kommen sich die beiden Jugendlichen im Lauf des Tages näher. Sie durchforsten das riesige baufällige Gebäude, erfinden Spiele und verwandeln das Gelände in ein Abenteuerland. Doch beide wissen: die Männer der Camorra werden zurückkommen.

Der Spielfilmerstling von Leonardo di Costanzo erhielt beim Filmfestival von Venedig 2012 den Preis der internationalen Filmkritik. Es ist die tief bewegende und in stimmigen Bildern erzählte Geschichte zweier jugendlicher Aussenseiter, die sich für einen Tag aus einer Realität fortträumen, die vollständig vom Zugriff der Camorra beherrscht zu sein scheint. Kein Mafiafilm, sondern ein Film, der die Kraft der Fantasie feiert.

"L'intervallo" ist mein erster Spielfilm, vorher hatte ich Dokumentarfilme gedreht. Wie bei der Arbeit an einem Dokumentarfilm habe ich zuerst beobachtet und zugehört. Ich habe die Treffpunkte der Jugendlichen besucht, habe mich an ihren Orten aufgehalten. Das Drehbuch war eine Art Handlungsskizze, präzise zwar, aber offen genug, damit Raum für Interpretationen von Handlung und Figuren bleibt. Ausserdem stand von Anfang an fest, dass die beiden HauptdarstellerInnen keine Profis sein würden. Ich habe die Kamera möglichst diskret eingesetzt, um den SchauspielerInnen den grösstmöglichen Freiraum zu schenken. Alles mit dem Ziel, eine Geschichte über Jugendliche zu erzählen. Eine Geschichte, in der die Erwachsenen ausserhalb der Haupthandlung stehen, wahrgenommen als eine Bedrohung oder als eine Macht, die Regeln aufstellt, an die man sich halten muss. In diesem Fall sind es die Leute der Camorra, die gleichzeitig bedroht und schmeichelt, und mit der sich jeder in Neapel irgendwie auseinandersetzen muss.

Leonardo Di Costanzo