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Mi |18|11|2020| CINEMA

Palazzo di giustizia

Chiara Bellosi, Italien 2019, 94', I/d, ab 12

CINEMA ITALIANO 2020

Vor dem Gesetz sind alle gleich. So steht es auf dem Gerichtsgebäude. So heisst es im Allgemeinen. Die Frage nach Schuld und Unschuld oder die Schattierungen dazwischen geraten in dem Spielfilmdebüt von Chiara Bellosi in den Hintergrund. Vor der geschlossenen Tür eines Gerichtssaals warten zwei Mädchen. Luce, noch klein, verspielt und eigensinnig; Domenica, fast erwachsen, unsicher und abweisend. Während ihre Väter sich drinnen in einem komplizierten Prozess um Mord oder Totschlag gegenüberstehen, müssen die Töchter draussen mit dem Nichtstun, der Ungewissheit und dem Vergehen der Zeit klarkommen. Ganz auf diesen Warteraum konzentriert, rückt die Regisseurin vermeintliche Randfiguren ins Zentrum, die ungewohnte, immer neue Perspektiven auf das Drama eröffnen. Nebenschauplätze wie Flure, Treppenhäuser und Pfützen werden zu Orten mit Möglichkeiten. Mütter und Stiefmütter, Anwälte und Justizbeamte, Handwerker und Besucher kommen und gehen, ein Spatz sorgt für Aufregung, eine Vielzahl von Geschichten entfaltet sich … «Es ist der am meisten depersonalisierende und doch menschlichste Ort der Welt», sagt Bellosi über das Gericht als Schauplatz ihres Film. «Ursprünglich dachte ich an einen Dokumentarfilm, inspiriert von den Werken von Frederick Wiseman. Zur Vorbereitung habe ich wochenlang das Gericht meiner Heimatstadt Mailand besucht. Eines Tages war da ein Mädchen mit ihrer blutjungen Mutter, das versuchte, sich die Langeweile zu vertreiben. Sie war die Inspiration für meinen Film.» Elisabeth Nagy schreibt im Blog des Berliner Arbeitskreises für Film: «Insofern ist ‹Palazzo di giustizia› auch ein Film des Beobachtens. Doch mit einem trotzigen Kind und dem verschlossenen Gesicht eines jungen Mädchens und dem Herumflattern eines Spatzen, der so gar nicht dahin gehört, öffnet sich ein Spalt in die Welt hinter der Fassade der Flure und ein bisschen Magie schimmert durch.» Mit «Palazzo di giustizia», der auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte, erweist sich Chiara Bellosi als spannende neue Stimme im italienischen Kino.

07.11.2020, 20:15 18.11.2020, 20:15

Vor dem Gesetz sind alle gleich. So steht es auf dem Gerichtsgebäude. So heisst es im Allgemeinen. Die Frage nach Schuld und Unschuld oder die Schattierungen dazwischen geraten in dem Spielfilmdebüt von Chiara Bellosi in den Hintergrund. Vor der geschlossenen Tür eines Gerichtssaals warten zwei Mädchen. Luce, noch klein, verspielt und eigensinnig; Domenica, fast erwachsen, unsicher und abweisend. Während ihre Väter sich drinnen in einem komplizierten Prozess um Mord oder Totschlag gegenüberstehen, müssen die Töchter draussen mit dem Nichtstun, der Ungewissheit und dem Vergehen der Zeit klarkommen. Ganz auf diesen Warteraum konzentriert, rückt die Regisseurin vermeintliche Randfiguren ins Zentrum, die ungewohnte, immer neue Perspektiven auf das Drama eröffnen. Nebenschauplätze wie Flure, Treppenhäuser und Pfützen werden zu Orten mit Möglichkeiten. Mütter und Stiefmütter, Anwälte und Justizbeamte, Handwerker und Besucher kommen und gehen, ein Spatz sorgt für Aufregung, eine Vielzahl von Geschichten entfaltet sich … «Es ist der am meisten depersonalisierende und doch menschlichste Ort der Welt», sagt Bellosi über das Gericht als Schauplatz ihres Film. «Ursprünglich dachte ich an einen Dokumentarfilm, inspiriert von den Werken von Frederick Wiseman. Zur Vorbereitung habe ich wochenlang das Gericht meiner Heimatstadt Mailand besucht. Eines Tages war da ein Mädchen mit ihrer blutjungen Mutter, das versuchte, sich die Langeweile zu vertreiben. Sie war die Inspiration für meinen Film.» Elisabeth Nagy schreibt im Blog des Berliner Arbeitskreises für Film: «Insofern ist ‹Palazzo di giustizia› auch ein Film des Beobachtens. Doch mit einem trotzigen Kind und dem verschlossenen Gesicht eines jungen Mädchens und dem Herumflattern eines Spatzen, der so gar nicht dahin gehört, öffnet sich ein Spalt in die Welt hinter der Fassade der Flure und ein bisschen Magie schimmert durch.» Mit «Palazzo di giustizia», der auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte, erweist sich Chiara Bellosi als spannende neue Stimme im italienischen Kino.