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Fr |19|04|2013| CINEMA

The Turin Horse

Béla Tarr, HU FR DE CH 2011, 146',

Ein archaisches Meisterwerk

„Am 3. Januar 1889 tritt in Turin Friedrich Nietzsche durch die Tür des Hau -
ses Via Carlo Alberto 6. Nicht allzu weit weg von ihm hat der Kutscher einer
Pferdedroschke Ärger mit einem widerspenstigen Pferd. Trotz all seiner
Ermahnungen weigert sich das Pferd, sich in Bewegung zu setzen, woraufhin
der Kutscher die Geduld verliert und zur Peitsche greift. Nietzsche
nähert sich dem entstehenden Gedränge und setzt dem brutalen Verhal -
ten des Kutschers ein Ende, indem er schluchzend seine Arme um den Hals
des Pferdes legt.

Sein Vermieter bringt ihn anschließend nach Hause, und zwei Tage lang
liegt er bewegungslos und stumm auf dem Sofa, ehe er berühmte letzte
Worte spricht und noch weitere zehn Lebensjahre stumm und umnachtet
unter der Obhut von Mutter und Schwestern verbringt.
Was mit dem Pferd geschah, wissen wir nicht.“

So Béla Tarr im einführenden Vorspanntext seines Films. Er beschreibt in
unmittelbarem Anschluss an das Ereignis mit großer Genauigkeit das Leben
des Kutschers, seiner Tochter und auch des Pferdes. Gedreht hat der ungarische
Regisseur in seiner unverwechselbaren Handschrift: mit langen Ka -
me raeinstellungen, in Schwarzweiß und unter weitgehendem Verzicht auf
Dialoge.

10.05.2012, 20:15 19.04.2013, 20:15 25.04.2013, 20:15

„Am 3. Januar 1889 tritt in Turin Friedrich Nietzsche durch die Tür des Hau -
ses Via Carlo Alberto 6. Nicht allzu weit weg von ihm hat der Kutscher einer
Pferdedroschke Ärger mit einem widerspenstigen Pferd. Trotz all seiner
Ermahnungen weigert sich das Pferd, sich in Bewegung zu setzen, woraufhin
der Kutscher die Geduld verliert und zur Peitsche greift. Nietzsche
nähert sich dem entstehenden Gedränge und setzt dem brutalen Verhal -
ten des Kutschers ein Ende, indem er schluchzend seine Arme um den Hals
des Pferdes legt.

Sein Vermieter bringt ihn anschließend nach Hause, und zwei Tage lang
liegt er bewegungslos und stumm auf dem Sofa, ehe er berühmte letzte
Worte spricht und noch weitere zehn Lebensjahre stumm und umnachtet
unter der Obhut von Mutter und Schwestern verbringt.
Was mit dem Pferd geschah, wissen wir nicht.“

So Béla Tarr im einführenden Vorspanntext seines Films. Er beschreibt in
unmittelbarem Anschluss an das Ereignis mit großer Genauigkeit das Leben
des Kutschers, seiner Tochter und auch des Pferdes. Gedreht hat der ungarische
Regisseur in seiner unverwechselbaren Handschrift: mit langen Ka -
me raeinstellungen, in Schwarzweiß und unter weitgehendem Verzicht auf
Dialoge.