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Sa |06|20:15| TRIBUNA

URSINA

When I Let Go

«Quietly I dive into the unknown / Been wanting to go there for so long», singt Ursina. Damit bringt sie die abgeklärte und doch mutige Stimmung von ihrem zweiten Album subtil auf den Punkt. «When I Let Go» heisst es, und zu diesem Thema kehren die Songs immer wieder zurück. Um neue Entscheidungen zu treffen, müssen alte Gewohnheiten abgeworfen werden. «Den Mut finden, mutig zu sein. Darum geht es.» sagt Ursina. «Let go of what needs to go es ist das Mantra, das mich durch dieses Album führt.»

Im Dorf, wo Ursina Giger aufwuchs, hing immer ein Hauch Heimweh in der Luft. Heimweh, noch bevor man in die Ferne zog. Disentis liegt in der Ostschweiz und ist von Bergen umringt. Die meisten Jugendlichen müssen ihre Zukunft anderswo suchen. Das Gefühl, dass früher oder später die Trennung kommt, schürt eine leise Melancholie, die wie ein roter Faden durch die Musik aus dieser Region führt.

Auch Ursina zog es in die Ferne, zuerst nach Luzern wo sie die Jazzschule besuchte, dann ans Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen. «Der Norden hat mich immer fasziniert.» sagt sie. «Es gab dort Berge wie bei uns, aber auch das Meer und die Nordlichter. Ausserdem hörte ich eh viel Ane Brun, Björk und José González.» Das Jahr in Kopenhagen wirkte prägend: «Ich zehrte vom Selbstvertrauen der skandinavischen Musikszene und schrieb sehr viele Lieder.» Nachdem sie zuvor nur rätoromanische Texte verfasst hatte, begann sie nun auch auf Englisch zu schreiben. «Die Muttersprache war mir wichtig. Gleichzeitig bekam ich das Gefühl, dass sie mich einengte.» Ihre Lösung: in beiden Sprachen zu singen. «Ich spüre, dass die englischen Lieder eine andere Atmosphäre haben als die rätoromanischen. Wenn die beiden Sprachen unaufgeregt nebeneinanderstehen, werden sie beide bereichert.»

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz veröffentlichte Ursina eine Handvoll EPs, dann das Debütalbum «You Have My Heart» (2017). Dieses wurde in Berlin von Pola Roy (Wir sind Helden) produziert und rückte Ursinas federleichte Stimme in die Umgebung eines folkig angehauchten Lo-Fi-Soundes. Bei den Aufnahmen zu «When I Let Go» stand nun der irische Produzent David Odlum an den Reglern. Seine Liste von Credits reicht von Glen Hansard, Gemma Hayes über Sam Smith bis hin zu Weird Beard, die Band von Florian Egli, der bei Ursina Bass spielt und an den Songs mitgeschrieben hat.

Was an diesem Album zuerst auffällt ist die herrliche Weite des Soundes, dann die filigrane Bearbeitung der Details. Dabei werden die Räume zwischen den Tönen mit genau so viel Sorgfalt behandelt wie die Töne selber. So hat die elegante Stimme viel Platz und Ruhe, die ungewöhnlichen melodischen Schleifen auszukosten, welche diese herrlichen Lieder erst recht unvergesslich machen.

25.-
Reservaziun:

«Quietly I dive into the unknown / Been wanting to go there for so long», singt Ursina. Damit bringt sie die abgeklärte und doch mutige Stimmung von ihrem zweiten Album subtil auf den Punkt. «When I Let Go» heisst es, und zu diesem Thema kehren die Songs immer wieder zurück. Um neue Entscheidungen zu treffen, müssen alte Gewohnheiten abgeworfen werden. «Den Mut finden, mutig zu sein. Darum geht es.» sagt Ursina. «Let go of what needs to go es ist das Mantra, das mich durch dieses Album führt.»

Im Dorf, wo Ursina Giger aufwuchs, hing immer ein Hauch Heimweh in der Luft. Heimweh, noch bevor man in die Ferne zog. Disentis liegt in der Ostschweiz und ist von Bergen umringt. Die meisten Jugendlichen müssen ihre Zukunft anderswo suchen. Das Gefühl, dass früher oder später die Trennung kommt, schürt eine leise Melancholie, die wie ein roter Faden durch die Musik aus dieser Region führt.

Auch Ursina zog es in die Ferne, zuerst nach Luzern wo sie die Jazzschule besuchte, dann ans Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen. «Der Norden hat mich immer fasziniert.» sagt sie. «Es gab dort Berge wie bei uns, aber auch das Meer und die Nordlichter. Ausserdem hörte ich eh viel Ane Brun, Björk und José González.» Das Jahr in Kopenhagen wirkte prägend: «Ich zehrte vom Selbstvertrauen der skandinavischen Musikszene und schrieb sehr viele Lieder.» Nachdem sie zuvor nur rätoromanische Texte verfasst hatte, begann sie nun auch auf Englisch zu schreiben. «Die Muttersprache war mir wichtig. Gleichzeitig bekam ich das Gefühl, dass sie mich einengte.» Ihre Lösung: in beiden Sprachen zu singen. «Ich spüre, dass die englischen Lieder eine andere Atmosphäre haben als die rätoromanischen. Wenn die beiden Sprachen unaufgeregt nebeneinanderstehen, werden sie beide bereichert.»

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz veröffentlichte Ursina eine Handvoll EPs, dann das Debütalbum «You Have My Heart» (2017). Dieses wurde in Berlin von Pola Roy (Wir sind Helden) produziert und rückte Ursinas federleichte Stimme in die Umgebung eines folkig angehauchten Lo-Fi-Soundes. Bei den Aufnahmen zu «When I Let Go» stand nun der irische Produzent David Odlum an den Reglern. Seine Liste von Credits reicht von Glen Hansard, Gemma Hayes über Sam Smith bis hin zu Weird Beard, die Band von Florian Egli, der bei Ursina Bass spielt und an den Songs mitgeschrieben hat.

Was an diesem Album zuerst auffällt ist die herrliche Weite des Soundes, dann die filigrane Bearbeitung der Details. Dabei werden die Räume zwischen den Tönen mit genau so viel Sorgfalt behandelt wie die Töne selber. So hat die elegante Stimme viel Platz und Ruhe, die ungewöhnlichen melodischen Schleifen auszukosten, welche diese herrlichen Lieder erst recht unvergesslich machen.