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Fr |13|11|2020| TRIBUNA__CORIN_INVIT

Via Mala

Theater mit Gian Rupf und Volker Ranisch

John Knittels Roman Via Mala aus dem Jahr 1934 verkaufte sich über 2 Millionen mal, wurde mehrfach verfilmt und machte den in Indien geborenen Schweizer Autor weltberühmt. Die beiden Schauspieler Gian Rupf und Volker Ranisch greifen den Stoff auf und bringen ihn in ihrer eigenen Lesart auf die Theaterbühnen. Nicht vordergründig das Pittoreske, nicht die „Familien- und Heimatsaga“ ist der Fokus der Inszenierung – vielmehr hinterfragen die beiden als unvoreingenommene, durchtriebene Spürnasen die vorgefundenen Verhältnisse und gesellschaftlichen Strukturen. Hierbei werfen sie Fragen auf, die an Aktualität nicht das geringste eingebüsst haben. Die Adaption dieses Stoffes in seiner ästhetischen Verbindung von Theaterspiel und Literatur in Beziehung zu Tonprojektionen und Kompositionen bietet Rupf und Ranisch die Möglichkeit, ihre Stärken auf dem Gebiet des literarischen Theaters voll auszuspielen.

Kritik, St.Galler Tagblatt

Volker Ranisch und Gian Rupf erzählen das Bündner Familiendrama spannend, fast wie ein Kriminalfall. Dabei schlüpfen sie in rasantem Wechsel in verschiedene Rollen und verkörpern diese authentisch-glaubwürdig. Ihre Körpersprache und Mimik ist so präzise, dass beide ohne Maske, Tenuwechsel und in einem spartanischen Bühnenbild die einzelnen Gestalten der Geschichte darstellen. Die zwei Schauspieler sind die Mitglieder der zerrüttenden Familie, sie sind Advokat, Schwiegersohn, Gemeindepräsident, Taglöhner und Erzähler zugleich. Wenn Gian Rupf mit Bart und langem Haar das Fräulein Silveli Lauretz darstellt, oder Volker Ranisch in die Rolle des Untersuchungsrichters Andreas von Richenau schlüpft, hat man als Zuschauer das Gefühl, die Figuren stehen wahrhaftig vor einem.

Mit viel Witz und Scharfsinn. In messerscharfem Hochdeutsch akzentuieren sie sprachliche Nuancen und betonen damit das Wesentliche. Überraschende Wechsel in den Bündner Dialekt stellen den geografischen Bezug her, man versteht als Zuschauer jedes Wort und jede Betonung, und das alles ohne weitere technische Hilfsmittel. Der Satz «Dr Niid und dr Föhn sind dia zwei eltischta Bündner» wird von Gian Rupf dermassen abrupt fallen gelassen, dass dessen Aussage an Bedeutung nicht mehr zu überbieten ist. Obwohl Volker Ranisch und Gian Rupf mit «Via Mala» eine tragisch brutale Familiengeschichte nach wahren Begebenheiten inszenieren, sparen sie nicht mit Witz und beissendem Scharfsinn. Die unglaublich starke Identifizierung mit den Figuren und die Dynamik, die die beiden Schauspieler auf die Bühne bringen, nimmt einem total gefangen. Die Zuschauer dankten es ihnen in der Taamühle mit stehenden Ovationen.

Fränzzi Göäggel 14.9.2020

13.11.2020, 20:15

John Knittels Roman Via Mala aus dem Jahr 1934 verkaufte sich über 2 Millionen mal, wurde mehrfach verfilmt und machte den in Indien geborenen Schweizer Autor weltberühmt. Die beiden Schauspieler Gian Rupf und Volker Ranisch greifen den Stoff auf und bringen ihn in ihrer eigenen Lesart auf die Theaterbühnen. Nicht vordergründig das Pittoreske, nicht die „Familien- und Heimatsaga“ ist der Fokus der Inszenierung – vielmehr hinterfragen die beiden als unvoreingenommene, durchtriebene Spürnasen die vorgefundenen Verhältnisse und gesellschaftlichen Strukturen. Hierbei werfen sie Fragen auf, die an Aktualität nicht das geringste eingebüsst haben. Die Adaption dieses Stoffes in seiner ästhetischen Verbindung von Theaterspiel und Literatur in Beziehung zu Tonprojektionen und Kompositionen bietet Rupf und Ranisch die Möglichkeit, ihre Stärken auf dem Gebiet des literarischen Theaters voll auszuspielen.

Kritik, St.Galler Tagblatt

Volker Ranisch und Gian Rupf erzählen das Bündner Familiendrama spannend, fast wie ein Kriminalfall. Dabei schlüpfen sie in rasantem Wechsel in verschiedene Rollen und verkörpern diese authentisch-glaubwürdig. Ihre Körpersprache und Mimik ist so präzise, dass beide ohne Maske, Tenuwechsel und in einem spartanischen Bühnenbild die einzelnen Gestalten der Geschichte darstellen. Die zwei Schauspieler sind die Mitglieder der zerrüttenden Familie, sie sind Advokat, Schwiegersohn, Gemeindepräsident, Taglöhner und Erzähler zugleich. Wenn Gian Rupf mit Bart und langem Haar das Fräulein Silveli Lauretz darstellt, oder Volker Ranisch in die Rolle des Untersuchungsrichters Andreas von Richenau schlüpft, hat man als Zuschauer das Gefühl, die Figuren stehen wahrhaftig vor einem.

Mit viel Witz und Scharfsinn. In messerscharfem Hochdeutsch akzentuieren sie sprachliche Nuancen und betonen damit das Wesentliche. Überraschende Wechsel in den Bündner Dialekt stellen den geografischen Bezug her, man versteht als Zuschauer jedes Wort und jede Betonung, und das alles ohne weitere technische Hilfsmittel. Der Satz «Dr Niid und dr Föhn sind dia zwei eltischta Bündner» wird von Gian Rupf dermassen abrupt fallen gelassen, dass dessen Aussage an Bedeutung nicht mehr zu überbieten ist. Obwohl Volker Ranisch und Gian Rupf mit «Via Mala» eine tragisch brutale Familiengeschichte nach wahren Begebenheiten inszenieren, sparen sie nicht mit Witz und beissendem Scharfsinn. Die unglaublich starke Identifizierung mit den Figuren und die Dynamik, die die beiden Schauspieler auf die Bühne bringen, nimmt einem total gefangen. Die Zuschauer dankten es ihnen in der Taamühle mit stehenden Ovationen.

Fränzzi Göäggel 14.9.2020